Ein Pleione-JahrDie Orchideen-Gattung Pleione ist mit ca. 12 Arten in subalpinen Regionen von Indien, Burma bis nach Südchina und Taiwan verbreitet. Es handelt sich um erdbewohnende Orchideen, die einen ausgeprägten Wachstumsrhythmus aufweisen: eine feuchte warme Wachstumszeit und eine kühle, trockene Ruhezeit, in der die Pflanzen ihre Blätter abwerfen. Nur eine Art wird ohne strenge Ruhezeit, möglichst aufgebunden, kultiviert.
Wir unterscheiden Frühjahrsblüher, welche unmittelbar nach der strengen Ruhezeit blühen und Herbstblüher, bei welchen sich die Blüte an die Wachstumszeit anschließt. Die Pflanzen blühen vor oder während des Blattabwurfs.
Züchterisch wird die Gattung Pleione erst seit recht kurzer Zeit bearbeitet. Es entstanden sehr attraktive, großblumige Hybriden, die sehr interessante Blütenfarben und Formen aufweisen. Obwohl die Kulturbedingungen recht gut nachvollzogen werden können und gerade die Hybriden recht pflegeleicht sind, haben sich Pleionen bisher kaum in Liebhabersammlungen und gleich gar nicht an den Wohnzimmerfenstern durchsetzen können. Es gibt kaum gute Bezugsquellen, und wenn, dann haben Spitzenhybriden z. T. astronomische Preise. Ich beziehe neue Pflanzen fast ausschließlich aus England, wo es einige sehr gute Quellen gibt.
Die Vermehrung der Pflanzen ist recht einfach. Pro Bulbe entwickeln sich meist zwei Neutriebe, welche wiederum zu blühfähigen Bulben heranwachsen. Außerdem bilden die alten Bulben an der Spitze ein bis drei Bulbillen, die meist nach zwei Jahren zu blühfähigen Pflanzen heranwachsen.
Folgen wir also nun diesen bezaubernden Pflanzen durch das Pleione-Jahr ... klicken Sie auf die Bilder zur Großanzeige.
Januar
Die Pflanzen befinden sich ausnahmslos in der Ruhezeit. Ihr Standort ist ein kühler Keller (ca. 5 ° C).
Februar
Die ersten Pflanzen "erwachen" aus ihrer Ruhezeit.
11. Februar
Heute hab ich als erste Pflanze Pleione Tolima neu aufgesetzt. Als Substrat verwende ich in diesem Jahr Walderde aus einem Kiefernbestand, wobei ich hauptsächlich die schon etwas angerottete Schicht verwende. Das Substrat habe ich durch ein grobes Sieb gerieben und ca 8 : 1 mit Sand versetzt. Dadurch entsteht ein lockeres humoses Substrat. Im vergangenen Jahr hatte ich hauptsächlich reine Nadelerde verwendet, welche mir jedoch etwas grob erschien. Die Pflanzen konnten schlecht einwurzeln und wurden teilweise aus dem Substrat gedrückt.
Nach dem Topfen wurden die Pflanze hell und kühl gestellt. Gegossen wurde nur einmal, nun sollen sich Wurzeln bilden. Das ist jetzt die kritischste Phase bei der Pleione-Kultur, da Pleione-Wurzeln extrem empfindlich sind. Zuviel Wasser oder zu salzhaltiges Substrat lassen die Wurzelspitzen absterben. Pleione können nur eine bestimmte Anzahl Wurzeln bilden, und die Wurzeln können sich nicht wie bei anderen Orchideen verzweigen, ist die Spitze tot, stirbt die ganze Wurzel ab.
24. Februar
Heute habe ich aufgrund der raschen Entwicklung der Pflanzen weitere Exemplare getopft: Pleione Etna, Pleione Versailles M. Turner und Pleione Zeus Weinstein (Neuerwerb). Ebenfalls getopft wurden Pleione forrestii und Pleione grandiflora alba, welche jedoch beide noch nicht blühfähig sind.
März
09. März
12. März
29. März
April
08. April
In leuchtender Farbe: Pleione formosana "Eugenie". Wieder typisch die breite Blüte und das leicht nach vorn gekippte obere Blütenblatt. 13. April
Eine der letzten Pleionen in diesem Jahr: Pleione Tongariro. Mai
1. Mai
Dies ist nun wirklich die letzte Pleione in diesem Jahr: Pleione formosana Little Winnie. Sie sieht der Naturform sehr ähnlich, hellrosa mit leicht gezeichneter Lippe, nur die Blüte ist etwas größer. Juni 2001
Erkennen Sie sie sie wieder? Das sind
Pleione Etna und Pleione Tolima Und das ist mein "Pleione-Kindergarten" ... es sind die Bulbillen des vergangenen Jahres, die ersten werden im nächsten Jahr eventuell blühen.
Juli 2001
Die Pflanzen sind fast ausgewachsen, nun bilden sich die Bulben, die im nächsten Jahr blühen werden. Bei einigen Pflanzen sind diese schon ausgewachsen, z. B. bei Pleione Tolima. Bei diesen Pleionen wird das Düngen bereits eingeschränkt, sie müssen jedoch noch ausreichen feucht gehalten werden, damit sie nicht vorzeitig die Blätter abwerfen. In diesem Jahr haben die Bulbillen einiger Pflanzen bereits Blühreife erreicht, ein Phänomen, welches ich bisher noch nicht beobachten konnte. Überhaupt haben die Pflanzen sehr stark zugelegt, die ausgewachsenen Bulben der Pleione Tolima haben über 5 cm Durchmesser erreicht, ein Vorgeschmack auf eine herrlich üppige Blüte im nächsten Jahr.
Auch der "Kindergarten" ist kräftig herangewachsen. Für die kleinen Pflanzen in der flachen Schale erweist sich jedoch der Pflanzstoff als etwas ungünstig ... die Oberfläche ist reichlich mit Algen überzogen ... ich muß jede Woche die Oberfläche mit einem Stock aufreißen. Die Pflanzen wachsen jedoch dank der speziellen Pflege zufriedenstellend.
August 2001
Jetzt zeigt sich der nächste Nachteil meines diesjährigen Substrates: Aufgrund des häufigen Regens in diesem Jahr trocknet er kaum aus. Einige Pflanzen haben offensichtlich ein wenig Wurzelprobleme. So sind die Blätter von Pleione Etna etwas schlapp, ein typisches Zeichen dafür, daß die Wurzeln der Pflanze nicht ganz gesund sind. Aber die Bulben sind ausgereift, also sollte es keine großen Probleme mehr geben. Gedüngt wird ab Mitte August nicht mehr, die Pflanzen müssen langsam auf die Ruhezeit vorbereitet werden.
Bei Pleione Shantung gibt es ein Problem mit einem Pilzbefall. Die Bulben zeigen Flecken, die sich nach und nach vergrößern. Auch ein Spritzen mit Fungiziden hilft nicht gegen die Ausbreitung der Pilze. Ich habe die Pflanze von den anderen isoliert und werde sie auch isoliert überwintern. Die beiden Bulbillen sind nicht befallen, selbst wenn die große Pflanze nicht überlebt, werde sie mir den Bestand sichern.
September 2001
Die ersten Blätter zeigen einen leichten Gelbschimmer ... erstes Zeichen der beginnenden Ruhezeit der Pleionen.
Ich habe sie aufgrund der zunehmend feuchteren Witterung Mitte September in das kleine Frühbeet gestellt. Dort werden sie jetzt nur noch so oft gegossen, daß der Pflanzstoff nicht völlig austrocknet. Auch wird jetzt alle zwei Wochen mit einem Fungizid gespritzt, da eine weitere Pflanze Pilzbefall zeigt. Jedoch breitet sich dieser nicht weiter aus, da die Pflanzen jetzt trocken stehen.
Aufgrund des Pilzbefalls habe ich mich entschlossen, die Pflanzen dieses Jahr sofort im Herbst aus dem Substrat zu nehmen und in Hobelspänen zu überwintern. Das isoliert die Pflanzen voneinander und verhindert ein Austrocknen der Bulben.
Ende September haben Pleione Tolima und Pleione Etna komplett eingezogen. Die Vermehrungsrate war bei Pleione Etna sehr gut, aus zwei Bulben sind 10 geworden, da die Triebe aus den Bulbenspitzen keine Bulbillen, sondern voll blühfähige Bulben hervorbrachten. Pleione Tolima hat riesige neue Bulben entwickelt, die größte hat einen Durchmesser von 7 cm.
Sehr erfreulich ist auch die Entwicklung des Kindergartens. Einige Bulbillen haben in diesem Jahr bereits blühfähige Bulben entwickelt, auch wurde wiederum eine große Zahl von Bulbillen gebildet.
Oktober 2001
Die Pflanzen werden nun nicht mehr gegossen. Der Tau, der jetzt täglich fällt und sich auch in dem kleinen Frühbeet bildet, sorgt für eine ganz leichte Feuchtigkeit des Substrates ... eigentlich mehr, als mir lieb ist, da dadurch wieder die Gefahr des Pilzbefalls steigt. Aber es geht alles gut. Das Frühbeet ist ständig leicht geöffnet, damit sich die Luft am Tage nicht zu stark erwärmt. Die kühlen Nächte schaden den Pflanzen nicht.
Bis Ende Oktober haben alle Pflanzen eingezogen. Die Schalen mit den in Spänen eingefütterten Bulben habe ich nun noch im Schuppen stehen, erst, wenn es zu kalt wird, werde ich sie in den Keller stellen.
Nur noch im Kindergarten sind noch einige Pflanzen grün, aber auch dort zeigt sich die Herbststimmung. Bald werden auch hier alle Blätter abgefallen sein.
Das Pleione-Jahr endet nun. Das Jahr war erfolgreich, die Pflanzen konnten kräftig zulegen und haben sich gut vermehrt. Die Pflanzen gehen nun in ihre strenge Winterruhe, und außer gelegentlichen Kontrollen gibt es nun keinen Handlungsbedarf mehr. Erst im nächsten Frühjahr werden die Pflanzen wieder zu neuem Leben erweckt.